Reiten als Dialog

(2)
Preis

29,95 €

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Artikel-Nr.
123710
Hersteller
Meyners, Eckart / Hannes Müller / Kerstin Niemann
Gewicht
850,0 g
Sprache
Deutsch
Medium
Buch
Dr. Gero Büsselmann

Eines der wichtigsten Reitbücher der letzten Jahrzehnte

Anfang des Jahres 2011 ist ein neues Buch erschienen, welches das deutsche Ausbildungssystem im Reitsport von Grund auf reformieren könnte. Der Titel lautet: „Reiten als Dialog“ von Eckart Meyners, Hannes Müller und Kerstin Niemann. Der Sportpädagoge Eckart Meyners beschäftigt sich seit über drei Jahrzehnten mit der Bewegungslehre beim Reiten. Reiten ist die einzige olympische Sportart, die nicht an einer Sporthochschule oder in einem Lehramtsstudium an deutschen Hochschulen gelehrt wird; Reiten als Disziplin hat sich einer sportwissenschaftlichen Durchdringung lange Zeit widersetzt. Eckart Meyners ist der erste und vorerst einzige Sportwissenschaftler, der diesen Missstand erkannt und geändert hat. Seine Bücher und Lehrgänge sind inzwischen international begehrt. Hannes Müller ist Ausbildungsleiter der Deutschen Reitschule in Warendorf (www.landgestuet.nrw.de) und bildet an dieser bundeszentralen Lehrstätte Berufsreiter und Reitlehrer aus. Müller arbeitet seit Mitte der 1990er Jahre mit Meyners zusammen und hat als einer der ersten Berufsreitlehrer das hohe Potential der modernen Bewegungslehre für den Reitsport erkannt. Kerstin Niemann ist Redakteurin der Zeitschrift St. Georg und ausgebildete Pferdewirtin. In der Flut der Neuerscheinungen der letzten Jahre mag „Reiten als Dialog“ zunächst kaum auffallen. Auch ist es inhaltlich sehr kompakt und für die meisten Leser nicht als leichte Bettlektüre geeignet. „Reiten als Dialog“ ist ein Kompendium der Ausbildungslehre für Bereiter, Trainer und für anspruchsvolle Reiter, die mehr wollen, als nur „zwischen sich und dem Boden ein Pferd zu behalten“. In einigen Passagen orientieren sich die Autoren bewusst an der Fachterminologie der Sportpädagogik, die dem althergebrachten Reitlehrer zunächst befremdlich erscheinen mag, wovon sich der sportwissenschaftliche Laie jedoch nicht abschrecken lassen sollte. Bei näherem Hinschauen handelt es sich bei „Reiten als Dialog“ um eines der wichtigsten Reitbücher der letzten Jahrzehnte; es ist ein Füllhorn der Inspirationen für den modernen Reitunterricht! Ziel des Buches ist es, so die Autoren (S. 17): „… Ihnen als Reiter zu vermitteln, wie Ihr Körper funktioniert und wie Ihr Körper mit den natürlichen Bewegungen des Pferdes korrespondieren muss.“ Die Autoren gehen implizit von der These aus, dass Deutschland mit der Ausbildungsskala für das Pferd das beste Ausbildungssystem der Welt hat. Allerdings handelt die Ausbildungsskala eben nur vom Pferd – für den Reiter gibt es in unserem offiziellen Ausbildungssystem noch keine zeitgemäße, den biologischen Bedürfnissen des Menschen angepasste Ausbildungslehre. Viele Reitschüler lernen trotz sinnloser Anweisungen des Trainers das Reiten; die Erfolgsquote könnte mit einem pädagogisch sinnvollen System exponentiell steigen. Das Buch „Reiten als Dialog“ schließt diese Lücke. Deutschland ist das einzige Land der Welt, das überhaupt ein einheitliches Ausbildungssystem für den Reitsport hat. Niedergeschrieben wurde dieses System in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit staatlicher Unterstützung in Form einer militärischen Heeresdienstvorschrift, der berühmten HD 12, denn vor dem zweiten Weltkrieg war das Reiten und die Ausbildung von Pferden eine hoheitliche Aufgabe. Mit der Entwicklung der Ausbildungsskala wurde ein System geschaffen, das der Biologie des Pferdes gerecht wird. Die damals noch volkswirtschaftlich bedeutsame Ressource „Pferd“ wurde damit optimal genutzt und für viele Lebensjahre zu einem gesunden und verlässlichen Partner. Das 1939 erstmalig erschienene Buch „Der Reiter formt das Pferd“ von Udo Bürger und Otto Zietzschmann fasst das biologische Wissen und reiterliche Erfahrung aus Jahrhunderten zusammen. Dieses Wissen ist auch Grundlage von „Reiten als Dialog“, insofern wird keine neue Lehre geschaffen, sondern die alte Lehre wird um eine wichtige Komponente ergänzt: die Ausbildungsskala für den Menschen! Auch die „Ausbildungsskala des Reiters“ ist nicht ohne Vorgeschichte. Bereits in der Heeresdienstvorschrift 12 fanden sich Passagen über die Förderung der Fitness des Reiters und der Verweis auf die entsprechende Dienstvorschrift für körperliche Ertüchtigung. Diese Inhalte wurden nach dem zweiten Weltkrieg bei der Übersetzung der HD 12 in die zivile Reitlehre – den „Richtlinien für Reiten und Fahren“ – ersatzlos gestrichen. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert! In Bezug auf die Ausbildung des Reiters war die HD 12 von 1926 schon viel weiter, als es die „Richtlinien“ heute sind! Ein zweiter Mangel haftet den „Richtlinien“ seit ihrer schriftlichen Niederlegung nach dem zweiten Weltkrieg an: sie beschreiben zwar militärisch korrekt das „Wie“, aber nicht das „Warum“! Es entspricht der militärischen Tradition, Anweisungen zu geben und nicht nach den Gründen zu fragen. So gilt es auch heute noch als verpönt, wenn der Reitschüler das Wort ergreift – Reitunterricht findet allzu häufig als Monolog des Ausbilders und nicht als Dialog statt. Eckart Meyners und Hannes Müller erweitern die hergebrachte Reitlehre in zwei Richtungen: 1. Neben die Ausbildungsskala für das Pferd tritt gleichberechtigt eine zweite Ausbildungsskala für den Reiter. Diese Ausbildungsskala für den Reiter berücksichtigt moderne sportpädagogische Erkenntnisse über das Bewegungslernen des Menschen. Die Vorarbeit für ein verbessertes Ausbildungskonzept hat der Sportpädagoge Eckart Meyners in mehr als drei Jahrzehnten seiner praktischen Arbeit mit Reitern geleistet. 2. Die alt bewährte Reitlehre wird aus der Sicht des Reiters auf eine neue Weise erklärt: Hannes Müller hebt die drei Reittechniken 1. Stellen, 2. Biegen und 3. Halbe Paraden als grundlegende Prinzipien für das Reiten schlechthin hervor. Einmal gelernt, ist ein Transfer auf die Vielzahl der Reitsituationen möglich. Diese Rückführung der reiterlichen Einwirkungsmöglichkeiten auf drei Prinzipien ist ebenso bedeutsam, wie die Formulierung der Ausbildungsskala selbst. Alle Reitlektionen stehen im Dienste dieser Grundprinzipien. Im Verlauf dieser Erläuterung wird in „Reiten als Dialog“ dem Reiter zugleich ein schlüssiges „Warum“ geliefert für die Vielfalt der Lektionen. Der Begriff „halbe Parade“ könnte auch durch folgenden mehr umgangssprachlichen Satz definiert werden: „der Reiter muss jederzeit in der Lage sein, Tempo und Richtung des Pferdes mit den ihm zur Verfügung stehenden Hilfen zu bestimmen“. Um das Vorgehen von Müller zu verstehen, mag ein Vergleich mit dem Kochen hilfreich sein: es gibt Menschen, die Kochen strikt nach Rezept. Sie kaufen exakt die Zutaten, die im Rezept stehen und ihre wichtigsten Hilfsmittel sind Messbecher und Waage. Diese Menschen glauben, man müsse hunderte von Rezepten auswendig lernen, um ein Meisterkoch zu werden. Trotzdem erreichen sie nie die wahre Meisterschaft, da die Bedingungen der Wirklichkeit nie ganz den idealtypischen Bedingungen des Rezepts entsprechen – anders ausgedrückt: das Ideal existiert nur in der Theorie. Der wahre Meisterkoch dagegen braucht keine Rezepte – er hat verstanden, nach welchen Grundprinzipien sich Speisen zusammensetzten, er kennt die Natur der Zutaten und ihre Gareigenschaften und er kennt die Eigenschaften der Gewürze. Der Meisterkoch schafft viele neue Variationen ohne Rezept, jedoch nach immerwährenden und Jahrtausende alten Prinzipien. Ähnlich ist es mit dem Reiten. Leider lernen die Nachwuchsreitlehrer und Trainer C an deutschen Landeslehrstätten und in anerkannten Ausbildungsbetrieben vielfach noch Rezepte auswendig, ohne dabei die Prinzipien des Reitens zu verstehen. Das ist ein gravierender Mangel des deutschen Systems, das nach wie vor selten nach dem „Warum“ fragt. Der zweite Mangel ist: die meisten Berufsausbilder mögen zwar viel über das Vermögen des Pferdes wissen, allerdings nur sehr wenig über den lernenden Menschen und seine biologischen Voraussetzungen. Vielen Ausbildern fällt zur Reitpädagogik nur lapidar ein: „Reiten lernt man nur durch Reiten“ oder etwa der vielzitierte Satz des Klimke-Lehrers Major a. D. Paul Stecken: „Richtig reiten reicht!“ Diese Worte werden meist mit einer gewissen Arroganz zitiert, die der Urheber des Zitats wahrscheinlich nicht gemeint hat. Es ist die gleiche Arroganz der Kaderselektierer, die im kalten Krieg Olympiareiter förderten. Ihnen ist Otto Normalverbraucher egal. Auch die Kavallerie konnte durch Musterung die talentiertesten Reiter eines Jahrgangs heraussuchen und musste nicht mit den Widrigkeiten normal begabter Menschen umgehen. Eine moderne Ausbildungslehre kann sich diese elitäre Arroganz nicht mehr leisten. Reiten ist heute vor allem eines: Breitensport! Ein militärischer Kommandoton ist ungeachtet dieser Tatsache immer noch die vorherrschende Kommunikationsform in den Vereinen der FN und treibt nicht wenige der Hobbyreiter zu Ausbildern anderer Reitweisen! Überspitzt formuliert: wir haben in den „Richtlinien für Reiten und Fahren“ die beste Ausbildungslehre für das Pferd und eine ausgesprochen miserable Ausbildungslehre für den Reiter. Eckart Meyners, Hannes Müller und Kerstin Niemann versuchen nicht mehr und nicht weniger als einen Paradigmenwechsel im deutschen Ausbildungssystem einzuleiten. Insofern ist das Buch „Reiten als Dialog“ als reithistorischer Meilenstein anzusehen! Was sind also die Grundprinzipien der Ausbildungsskala für den Reiter? Der Reiter muss in einem ersten Ausbildungsschritt zunächst Bewegungen fühlen lernen. Dann lernt er, sich der Bewegung des Pferdes passiv anzupassen. Erst viel später lernt er aktiv zu reiten, d. h. die reiterlichen Hilfen in ihrer Komplexität dem Pferd zu vermitteln. Diesen drei Entwicklungsstadien des Reiters bietet „Reiten als Dialog“ breiten Raum und viele praktische Beispiele. Noch in der HD 12 steht geschrieben, dass die richtige Funktion wichtiger ist als die Form. Dieses Grundwissen wurde in den „Richtlinien für Reiten und Fahren“ schlicht vergessen! Die landauf und landab immer noch zu hörenden Anweisungen: „Kopf hoch!“, „Gerade sitzen!“ oder „Absätze tief!“ korrigieren die äußere Form des Reiters und haben nicht nur keinen Nutzen, sondern behindern sogar physiologische Lernprozesse beim Reiter! Die Autoren ziehen das Fazit: Wenn der Funktion entsprochen wird, dann ist die Form automatisch korrekt und nicht umgekehrt! Beim Reiten besteht ein ständiger nonverbaler Dialog zwischen Reiter und Pferd. Dieser Dialog ist die wichtigste Grundlage des Lernprozesses. Der Dialog findet darüber hinaus auf mehreren Ebenen statt: 1. Reiter – Pferd, 2. Reitlehrer- Reiter und schließlich auch 3. Pferd – Reitlehrer. Der Begriff Dialog darf in diesem Zusammenhang nicht allein verbal verstanden werden, sondern zu 1. und 3. vor allem körpersprachlich. Die Gesetzmäßigkeiten dieser Dialogformen zu begreifen und in den praktischen Reitunterricht einzubauen, ist Thema von „Reiten als Dialog“ und die wichtigste Herausforderung für die Reitausbilder der Zukunft. Ein weiterer Grundsatz ist: die Situation lehrt und nicht die Instruktion. Der menschliche Körper lernt am besten, wenn er selber Urheber von kleinen „Bewegungsexperimenten“ ist. Auf diese Weise lernen Kleinkinder laufen und sich zu bewegen. Der gute Reitlehrer moderiert diesen Prozess nur und steckt einen sinnvollen Rahmen. Sicherheit von Reiter und Pferd stehen dabei einerseits an erster Stelle, andererseits gilt der Spruch: „kleine Unglücke verhindern das große Unglück“; oder anders ausgedrückt: „der Körper weiß nur was richtig ist, wenn er erfahren hat, was falsch ist“. Diesen neurophysiologisch leicht zu erklärenden Zusammenhang zu verstehen, ist für pädagogisch und biologisch nicht vorgebildete Leser wohl eine der schwierigsten Herausforderungen. Ausbildern von altem Schrot und Korn wird diese Einsicht wohl verborgen bleiben. Ein bekannter Grand Prix-Ausbilder sagte einmal: „Der Schüler lernt am meisten, wenn der Lehrer auch mal die Schnauze hält!“ In dieser Aussage steckt mehr Weisheit, als dem Ausbilder vielleicht bewusst war. Das bedeutet nichts anderes, als dass man der biologischen Wundermaschine Mensch erlaubt, nach ihren eigenen Gesetzen zu lernen und zu funktionieren und in Einklang mit der biologischen Wundermaschine Pferd zu gelangen! Eckart Meyners sagt gelegentlich: „Reiten ist kein Hobby, sondern eine Lebensform.“ Zumindest für diejenigen, die eine harmonische Lebensform mit dem Pferd anstreben, sei das Buch „Reiten als Dialog“ eine wichtige Inspiration. Ich wünsche dem Buch noch viele Auflagen und eine stetige Weiterentwicklung. Vor allem aber wünsche ich dem Berufsstand der Berufsreitlehrer in Deutschland, mit den Ideen von Meyners, Müller und Niemann für lange Zeit zu den besten Reitlehrern der Welt zu werden.


Dr. Gero Büsselmann

Typologie des deutschen Reitlehrers

Warum Sie unbedingt das Buch „Reiten als Dialog“ von Eckart Meyners, Hannes Müller und Kerstin Niemann lesen sollten. *Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig! Was macht eigentlich einen guten Reitlehrer aus? Als Orientierungshilfe für Reitlehrer suchende Reitanfänger möchte ich vier Typenbeschreibungen geben. Ich verzichte darauf, wie in den gängigen „yellow-press-Magazinen“ üblich, einen Fragebogen mit dem Titel „Welchen Reitlehrertyp bevorzugen Sie?“ anzufügen. 1. Der erfolgreiche Turnierreiter als Trainer Im Turniersport werden in der Regel Reiter, die selber erfolgreich reiten, für gute Trainer gehalten – auch wenn sie keinerlei reitpädagogische Ausbildung genossen haben. Es gilt das Motto: Wer Erfolg hat, hat Recht! Zwar scheitern regelmäßig Heerscharen von Schülern an diesem Vorurteil, was diese Reitjünger aber nicht davon abhält, unbeirrbar den falschen Weg weiter zu gehen und die Schuld für ihr Scheitern bei sich selber zu suchen. Hin und wieder ist ein Schüler darunter, der so viel Talent hat, dass er trotz falscher Reitanweisungen selber Turniererfolge erlangt. Ein gutes – sprich: teures – Pferd ist dabei nicht von Nachteil. Dieser Ausnahmeschüler beerbt seinen Meister und gibt die falschen Prinzipien an die nächste Generation weiter. Von unzähligen Gescheiterten ist keine Rede mehr. Der Marktwert dieses Ausbilders hängt von seinen Ranglistenpunkten ab. 2. Der Reitmeister und Pferdekenner Es handelt sich bei der Spezies Reitmeister meistens um Menschen mit außerordentlichem Talent und mehr als 20.000 Stunden Erfahrung im Sattel. Für diese Kentauren unter den Reitern sind die Probleme von Anfängern und Fortgeschrittenen nicht nachvollziehbar – man könnte auch sagen: sie sind zu gut. Er kennt die Ausbildungsskala nicht nur in der Theorie, sondern er sieht die feinsten Muskelregungen des Pferdes und kann beinahe Gedanken lesen – nämlich die des Pferdes. Er arbeitet wie ein Übersetzer: er sagt dem Reitschüler, was er sieht und was der Reiter offenbar nicht bemerkt oder nicht fühlt. Für den Fortgeschrittenen Reiter ist dies Art von Lehrer sehr hilfreich, der Anfänger dagegen ist vollkommen überfordert. Was nützen ihm die Hinweise, wenn er nicht weiß, was er selber tut. „Erst wenn man weiß, was man tut, kann man tun, was man will!“ Der Reitmeister arbeitet am liebsten nur mit fortgeschrittenen Turnierreitern und das ist gut so. Sein Marktwert wird durch die Ranglistenpunkte seiner Schüler bestimmt. Talentförderung und Leistungssport steht für ihn im Mittelpunkt. 3. Der Richter als Gelegenheitstrainer Dieser Typus verfügt über die Meriten des Systems, er hat Stallgeruch im Kreise der erlauchten Richterkollegen, er ist im Besitz einer Trainerlizenz, richtet seit Jahren auf Turnieren und weiß als alter Hase, wie der Sport funktioniert. Er weiß, wen man kennen muss - und wen man lieber nicht kennt. Er ist ein exzellenter Fehlergucker, er analysiert messerscharf die Fehler seines Schülers und bringt diesem seine Unfähigkeit unbarmherzig zur Kenntnis. Er beurteilt die äußere Form und versucht den Reitschüler durch militärisch korrekte Anweisungen in eine solche Form zu pressen. Der Reitschüler wird zur Marionette und zum Abhängigen seines Ausbilders. Wer wagt, selber etwas zu sagen oder seinem Unwohlsein Ausdruck zu verleihen, wird „hin-gerichtet“ getreu dem Gehorsamsprinzip: „Wenn ich sage die Wand ist gelb, dann ist sie gelb.“ (… auch wenn sie braun ist). Reiten ist eben nichts für Stubenhocker und Weicheier. Wie schon die alten Offiziere sagten: „Reiten lernt man nur durch Reiten!“ Die Zuschauer an der Bande sind beeindruckt von der schonungslosen Analyse, sie fürchten und verehren ihren Reitlehrer, wie den Logenmeister einer erlauchten Elite, der man nur zu gern angehören möchte. Sein Marktwert wird vom Prestige des Systems bestimmt, dem er dient. 4. Der moderne Berufsreitlehrer und ausgebildete Reitpädagoge diese Spezies ist selten anzutreffen, da sie weder durch Turniererfolge, noch durch elitäres Prestige glänzen möchte. Der Pädagoge holt jedes Paar, Reitschüler und Pferd, dort ab, wo es sich in seiner körperlichen, geistigen und seelischen Verfassung befindet. Er verdient nicht an der Eitelkeit des Menschen, sondern an der Neugier und Freude, die Reiter und Pferd an der Bewegung erleben. Er betrachtet Reiten Lernen als ständigen Dialog. Er kennt die biologischen Grundlagen, die für die Ausbildung des Pferdes gelten ebenso gut, wie die biologischen Grundlagen, nach denen der Mensch lernt. Er schafft für Reiter und Pferd eine positive Lernatmosphäre und lässt den Schüler durch Auswahl geeigneter Reitsituationen selber spüren, was richtig und was falsch ist. Der Schüler darf seine Erfahrungen und auch Ängste äußern und indem er die Reitsituation selber mitgestalten darf, wird er zum selbstständigen und zufriedenen Wesen. Von diesem letzten Typ handelt das Buch „Reiten als Dialog“ von Eckart Meyners, Hannes Müller und Kerstin Niemann.


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